Eine hohe Eigenkapitalquote vermittelt Sicherheit. Doch sie beantwortet nur einen Teil der entscheidenden Frage. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch seine Qualität. Ein Fachbeitrag von Dr. Carola Rinker.
Eigenkapital entsteht nicht nur durch erwirtschaftete Gewinne oder Einlagen der Gesellschafter. Es kann auch dadurch steigen, dass Vermögenswerte aktiviert oder hoch bewertet werden. Das ist bilanziell häufig zulässig und oftmals sogar sinnvoll. Für Credit Manager stellt sich jedoch eine andere Frage: Wie belastbar sind diese Vermögenswerte tatsächlich?
Nicht jeder aktivierte Vermögenswert lässt sich im Ernstfall zu Liquidität machen. Manche Positionen beruhen auf Erwartungen über zukünftige Erträge, deren Eintritt unsicher ist. Bleiben diese Erwartungen aus, drohen Wertminderungen – und damit sinken Eigenkapital und Bonität oft innerhalb kurzer Zeit.
Gerade im Credit Management lohnt sich deshalb der Blick auf die Aktivseite der Bilanz. Während die Passivseite zeigt, wie ein Unternehmen finanziert ist, gibt die Aktivseite Auskunft darüber, woraus diese Finanzierung tatsächlich besteht. Dieser Beitrag zeigt typische Warnsignale, die auf eine bilanziell solide, wirtschaftlich aber anfällige Vermögensstruktur hindeuten.
Die Qualität des Eigenkapitals
Die Bilanz besteht immer aus zwei Seiten: Vermögen und Finanzierung. Beide sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder zusätzlich aktivierte Vermögenswert erhöht gleichzeitig die Bilanzsumme und wirkt sich – direkt oder indirekt – auf das Eigenkapital aus.
Doch Vorsicht: Nicht jeder Vermögenswert besitzt die gleiche wirtschaftliche Substanz. Maschinen, Grundstücke oder liquide Mittel unterscheiden sich deutlich von aktivierten Entwicklungskosten oder einem Firmenwert. Letztere können zwar bilanziell zulässig sein, bieten Gläubigern im Krisenfall jedoch häufig nur einen begrenzten Schutz.
Abbildung 1 verdeutlicht diesen Zusammenhang: Das ausgewiesene Eigenkapital kann auf Vermögenswerten beruhen, deren wirtschaftliche Substanz unterschiedlich belastbar ist. Je größer der Anteil aktivierter Werte mit unsicherer Werthaltigkeit, desto höher ist das Risiko späterer Abschreibungen – mit unmittelbaren Folgen für Eigenkapital und Bonität.
Eine alte Börsenweisheit lautet: „Nicht alles, was in der Bilanz steht, lässt sich auch zu Geld machen.”
Für Credit Manager bedeutet das: Nicht nur die Höhe des Eigenkapitals entscheidet, sondern auch die Werthaltigkeit der Vermögenswerte, auf denen es basiert.
Warnsignal Nr. 1: Aktivierte Entwicklungskosten – Investition oder Hoffnung?
Unternehmen investieren in neue Produkte, Software oder Technologien, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen diese Entwicklungskosten aktiviert werden. Dadurch steigt das Vermögen in der Bilanz, während der Aufwand zunächst geringer ausfällt.
Das ist grundsätzlich sinnvoll. Gleichzeitig eröffnet diese Bilanzierung aber Ermessensspielräume. Denn ob sich die Investitionen später tatsächlich auszahlen, zeigt sich oft erst Jahre später.
Praxisbeispiel
Ein Softwareunternehmen entwickelt eine neue Plattform und aktiviert einen Großteil der Entwicklungskosten. Die Bilanz wirkt solide, obwohl der operative Cashflow seit mehreren Jahren rückläufig ist. Bleibt der Markterfolg aus, drohen erhebliche Abschreibungen.
Credit-Frage
Sind die aktivierten Entwicklungskosten bereits durch erfolgreiche Produkte wirtschaftlich abgesichert – oder beruhen sie überwiegend auf Erwartungen?
Der gesamte Beitrag ist im Magazin Der CreditManager zu lesen. Die aktuelle Ausgabe befindet sich im Mitgliederbereich der Webseite.




