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Mittwoch, 09 August 2017 00:00

Geduld und eine gute Absicherung

Brexit, US-Protektionismus, Konjunkturabkühlung in China – angesichts solcher Unsicherheitsfaktoren blicken deutsche Lieferanten verhaltener in die Zukunft. In den nächsten zwölf Monaten erwarten lediglich 9% eine bessere Zahlungsmoral. Jeder vierte rechnet mit einer Verschlechterung. Damit schätzen die deutschen Unternehmen die Lage etwas pessimistischer ein als das übrige Westeuropa. Insgesamt nehmen Zahlungsverzögerungen zu. Zu diesen Ergebnissen kommt das aktuelle „Zahlungsmoralbarometer Westeuropa“ des Kreditversicherers Atradius.

Absicherung gegenüber globalen Entwicklungen

Wirtschaftlich geht es der Bundesrepublik weiterhin gut – 2016 konnte das BIP um 1,9% zulegen. Schwer einschätzbar sind jedoch Ausgang und Folgen der Bundestagswahl und anderer politischer Ereignisse im Euroraum. Schon heute wappnen sich 23% der Betriebe, die in Deutschland für das Zahlungsmoralbarometer Westeuropa interviewt worden waren, gegen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Brexit, einem drohendem US-Protektionismus und einer schwächelnden Konjunktur in China. Sie intensivieren ihr Forderungsmanagement und treffen zusätzliche Vorkehrungen, um ihre Liquidität zu sichern: Jeweils knapp ein Drittel will die Bonität der Kunden verstärkt kontrollieren und Risikofaktoren im Umfeld der Abnehmer genau beobachten. Im westeuropäischen Durchschnitt ziehen dies nur 18% in Betracht.

Säumige Kreditoren als gesamteuropäische Herausforderung

Überfällige Forderungen setzten allen befragten Unternehmen zu. Einheimische Auftraggeber ließen sich generell am längsten Zeit. In Deutschland und in Westeuropa wurden 2016 je 41% des Gesamtwerts der Außenstände erst nach der Zahlungsfrist beglichen (2015: 39% bzw. 40%). Neun von zehn der deutschen Betriebe sahen sich mit verspäteten Zahlungen konfrontiert.

Im Mittel gewährten die westeuropäischen Unternehmen eine Zahlungsfrist von 32 Tagen (Deutschland: 24 Tage). Die durchschnittliche Forderungslaufzeit betrug 44 Tage. In Deutschland dauerte es 2016 lediglich 25 Tage bis zum Zahlungseingang (2015: 33 Tage), was sich als größere Effektivität beim Eintreiben hoher Rechnungen interpretieren lässt.

Offene Rechnungen als Finanzierungsinstrument

Prinzipiell hatten die westeuropäischen Studienteilnehmer auch 2016 Vertrauen in die Zahlungsmoral ihrer Partner: Mit ihren Landsleuten machten 43% Handelsgeschäfte auf Zahlungsziel, mit Kunden aus dem Ausland 35%. Die Hauptgründe für Verzögerungen in Westeuropa waren Liquiditätsengpässe (44%) und die Nutzung offener Rechnungen als Finanzierungsmittel (26%).

Schutz gegen Forderungsausfälle im In- und Ausland

Der Mechanismus, der hinter den Zahlungsverzögerungen steckt, ist nachvollziehbar: Wird der Zugang zu traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten für einzelne Unternehmen aufgrund verschlechterter Bonität schwieriger, erscheint das bewusste Überschreiten von Zahlungsfristen als einfachste Möglichkeit, das Liquiditätsloch zu schließen. Deshalb ist es wichtig, sich gegen Forderungsausfälle abzusichern – schließlich waren 15% der befragten Firmen gezwungen, wegen Zahlungsverzügen gezielte Maßnahmen zur Korrektur des Cashflow zu ergreifen. Der Gesamtwert der uneinbringlichen Forderungen in Westeuropa lag bei 1,3%. Um solche Szenarien zu verhindern, unterstützt Atradius seine Kunden bei der intelligenten und effektiven Gestaltung ihres Forderungsmanagements. Auf diese Weise lassen sich das eigene Kreditrisiko optimieren und neue profitable Geschäftsmöglichkeiten auch mit neuen, unbekannten Kunden im In- und Ausland verwirklichen.

Osteuropa: Risiko für Zahlungsausfälle steigt

Auch in Osteuropa belasten strukturelle Schwächen, die politische Unsicherheit in der Eurozone sowie das schwächere Wachstum in China und in Russland das Geschäfts- und Konjunkturklima. Aus dem „Atradius Zahlungsmoralbarometer Osteuropa“ vom Frühjahr 2017 geht hervor: Drei von fünf der befragten Firmen hatten 2016 mit verspäteten Zahlungen zu kämpfen. Wie in Westeuropa lagen Business-to-Business-Kunden aus dem Inland bei den Verzögerungen vorn (86%), meist aufgrund von Liquiditätsproblemen. Im osteuropäischen Durchschnitt blieben 45% des Gesamtwertes inländischer Rechnungen am Fälligkeitstermin unbezahlt (Westeuropa: 42%), 1% wurde als uneinbringlich abgeschrieben. Für die nächsten zwölf Monate rechnen 26% der Unternehmen mit einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens, 16% mit einer Verbesserung und 58% mit gleichbleibenden Verhältnissen. Um sich vor dem Ausfallrisiko infolge von Brexit, USProtektionismus und der Konjunkturabschwächung in China zu schützen, beabsichtigen 53% der osteuropäischen Befragten (Westeuropa: 60%), ihren derzeitigen Mix aus Kreditmanagement-Tools weiter zu nutzen.

Das Zahlungsmoralbarometer von Atradius

Jedes Jahr erhebt der Kreditversicherer Atradius Informationen über das Zahlungsverhalten in- und ausländischer Kunden im Firmengeschäft. Im Fokus stehen das Forderungsmanagement, Schwierigkeiten in puncto Rentabilität, die Forderungslaufzeit und nicht zuletzt die Zahlungsmoral, unterteilt nach Branchen und Unternehmensgrößen. Für das „Zahlungsmoralbarometer Westeuropa“ vom Frühjahr 2017 befragte Atradius knapp 2.800 kleine, mittlere und große Betriebe in 13 Staaten, davon 218 aus Deutschland. In das „Zahlungsmoralbarometer Osteuropa“ flossen Daten von über 1.000 Firmen in der Tschechischen Republik, aus Ungarn, Polen, der Slowakei und der Türkei ein.

Quelle: 09. August 2017, BvCM e.V. Der CreditManager Ausgabe 02/2017

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